Interview mit Sideburn004, Gewinnerin der SILENT MANGA AUDITION® (SMA)

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Die „International SILENT MANGA AUDITION“ (SMA) ist ein internationaler Manga-Wettbewerb mit dem Ziel, Japan und den Rest der Welt durch Manga zusammenzubringen.

Wir fragten nach einem Interview mit Sideburn004, einer russischen Manga-Künstlerin, die ihr Debut in Japan gab und bei der SMA den ersten Preis gewann!


Künstlerprofil: Sideburn004

Sideburn004 ist eine russische Manga-Künstlerin aus St. Petersburg, Russland, und zeichnet seit über 15 Jahren Comics und Manga.

Sie gewann den renommierten „Best Manga“-Preis in Russlands größtem Comic-Wettbewerb „ComMissiya 2013“ mit ihrem Comic „The Heart of the Maze“, einer Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Cyan Fox.

In einem Manga-Wettbewerb des Magazins „Shonen Magazine“ schaffte sie es 2017 bis ins Finale und gewann dadurch die Aufmerksamkeit zahlreicher japanischer Manga-Redakteure.

Im selben Jahr gewann sie mit ihrem Manga „Checkmate“ den heißbegehrten ersten Preis bei der internationalen SILENT MANGA AUDITION®.

Im Jahr 2019 folgte ihr Manga-Debut in Japan im Online-Magazin „Web Comic Zenyon“ mit „Midnight Shadow“, einem Kollaborationswerk mit der japanischen Manga-Zeichnerin Matsuri Mido.

https://twitter.com/Sideburn004
https://www.facebook.com/Sideburn004-172084303348453/
https://www.instagram.com/sideburn004/?hl=en
https://www.deviantart.com/sideburn004


Kreative Aktivitäten

F: Wie kamen Sie auf die Silent Manga Audition?


Als ich damals angefangen habe, an der SMA teilzunehmen, gab es noch nicht so viele internationale Manga-Wettbewerbe. Normalerweise erforderten die Wettbewerbe, dass man etwas auf Englisch oder Japanisch erstellt. Ein Wettbewerb, bei man keine Worte und Dialoge benutzen muss, zog daher natürlich sofort meine Aufmerksamkeit auf sich. Zudem hatten Bekannte von mir dort mitgemacht und sogar Preise gewonnen, was mich ebenfalls zur Teilnehme motivierte.



F: Beim „Silent Manga“ dreht sich alles um Manga ohne Dialoge. War es das erste Mal, dass Sie einen Manga ohne Worte erstellt haben, und hatten Sie Spaß daran, auf diese raffinierte Weise eine Geschichte zu vermitteln?


Ja, ich glaube, das war das erste Mal, dass ich eine Geschichte ohne Dialoge zeichnen musste. Einerseits war es viel einfacher, weil ich nicht darüber nachdenken musste, wie ich die Wörter vom Russischen in andere Sprachen übersetzen soll. Andererseits sind Dialoge in der Regel ein sehr wichtiger Bestandteil einer Erzählung. Mit Texten kann ein Bild ergänzt werden, um zu erklären, was auf den Seiten passiert. Mit der richtigen Wortwahl kann man die richtige Atmosphäre schaffen und den Effekt eines Moments hervorheben. Beim „Silent Manga“ können die Entwicklung der Handlung und Emotionen nur durch die Zeichnungen vermittelt werden, was anfangs recht schwierig war. Das Beste daran ist, dass man nicht überlegen muss, wie die Sprechblasen in die Panel-Struktur passen, sondern sich einfach nur auf die Bilder konzentrieren kann.



F: Bitte erzählen Sie uns von Ihren drei preisgekrönten Werken für die Silent Manga Audition („Checkmate“, „New Land“ und „Bright Like a Flame, Soft Like a Water“). Was hat Ihnen an diesen Werken gefallen und welche Schwierigkeiten hatten Sie bei der Erstellung?


Bevor ich mit „Bright Like a Flame“ anfing, habe ich gemeinsam mit einem Schriftsteller ein paar Geschichten gezeichnet, aber die Ergebnisse waren nicht aussagekräftig. Das war noch bevor ich jemals an einer SMA-Extrarunde teilgenommen hatte. Aber das Thema dieser Runde, bei dem es darum ging, die Präfektur Kumamoto zu unterstützen und ihnen ein Lächeln und positive Gefühle zu schenken, hat mich sehr berührt. Ich bin noch nie in Kumamoto gewesen, aber als ich Fotos sah, hat mich die Schönheit der Natur sehr beeindruckt. Ich sah den Satz „Kumamoto ist ein Land des Feuers“ und sofort kam mir ein Geist des Feuers in den Sinn, der in einem alten Vulkan geboren wurde. In Kumamoto gibt es aber auch eine wunderschöne Küste, Flüsse und Wasserfälle. Mein Feuergeist konnte also nicht ohne den Geist des Wassers existieren. Aus solch einem Zusammenspiel von Gegensätzen werden Geschichten geboren. Ich habe alles sehr schnell gezeichnet, ohne die Hilfe eines Autors. Deshalb war ich sehr überrascht, als mein Werk den Preis gewonnen hat!


Angestachelt vom Erfolg der Kumamoto-Runde, habe ich dann mit „Checkmate“ an der SMA-Hauptrunde teilgenommen. Als ich hörte, dass das Thema „Fair Play“ ist, kam mir als Erstes der Gedanke „Fair Play mit dem Tod, wenn das Leben auf dem Spiel steht“. Mir war klar, dass so eine Geschichte zu düster für den Wettbewerb sein könnte, also suchte ich weiter nach anderen Ideen. Aber als die Zeit verging und die Deadline näherkam, beschloss ich, doch zu meiner ursprünglichen Idee zurückzukehren. Ich wollte ein ruhiges Schachspiel auf dynamische Weise darstellen, indem ich die Komposition aktiver Charaktere in Bewegung mit einem ruhigen Schachspiel kombiniere. Ich habe mich bemüht, ein positives Ende zu erschaffen, welches beweist, dass all die Bemühungen des Protagonisten nicht umsonst waren.


Der Entstehungsprozess von „Checkmate“ weckte in mir so einen Ehrgeiz, dass ich, als ich am Ende noch 5 Tage Zeit bis zur Frist hatte, angefangen habe, noch ein zweites Werk für „Fair Play“ zu zeichnen. Die Feen-Figuren aus diesem Werk haben mir so gut gefallen, dass ich für die Kumamoto-Runde „Wasamon“ beschloss, ihre Abenteuer fortzusetzen. Ehrlich gesagt war „Wasamon“ eines der schwierigsten Themen bei der SMA!

(Anmerkung: „Wasamon“ = Kumamoto-Dialekt für „Jemand, dem neue Dinge gefallen“)

Ich habe sehr lange nach einer passenden Idee gesucht, die die Themen Innovation, Erfindung und Kumamoto verbindet. Aber als Meisterkursteilnehmer konnte ich diesmal die Hilfe eines Redakteurs in Anspruch nehmen, und so gaben wir gemeinsam unser Bestes, eine interessante und verständliche Geschichte zu erstellen.



F: Sie zeichnen Comics im japanischen Format (Panel-Layout, Darstellung in Schwarzweiß, Leserichtung von rechts nach links). Wann haben Sie damit angefangen, in diesem Format zu zeichnen? Verraten Sie uns doch bitte auch, auf welche Punkte sie besonders achten oder für wichtig halten, wenn Sie Manga im japanischen Format zeichnen.


Das ist die ewige Frage! In welche Richtung sollen Manga in westlichen Ländern gezeichnet werden? Wir denken, wenn wir den Text von links nach rechts schreiben, sollten auch die Panels in dieselbe Richtung verlaufen. Bevor ich authentische japanische Manga entdeckte, habe ich meine Comics von links nach rechts erstellt. Aber als ich anfing, viel Manga zu lesen, habe ich mich so daran gewöhnt, von rechts nach links zu lesen, dass es mir jetzt schwerer fällt, Comics in die entgegengesetzte Richtung zu lesen (z. B. bei chinesischen „Manhua“ oder koreanischen „Manhwa“).

Deswegen ist die Verwendung des japanischen Manga-Formats für mich einfacher, einfach nur aus Gewohnheit. Die meisten Leser, die einen Schwarzweiß-Comic mit einer japanischen Panel-Anordnung sehen, lesen automatisch von rechts nach links. Ich sehe darin also kein Problem. Jeder kann selbst entscheiden, in welche Richtung er seine Geschichte zeichnen möchte.



F: Japanische und russische Manga sind sehr unterschiedlich. Könnten Sie uns etwas über ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede erzählen?


Das ist eine schwierige Frage! Auf den ersten Blick sehen sie sich sehr ähnlich, sodass ein russischer Schwarzweiß-Comic nicht sofort von einem authentischen japanischen Manga zu unterscheiden wäre. Wegen der geografischen Lage des Landes haben russische Manga sowohl Einflüsse von westlichen Comics als auch von asiatischen Manga.


Viele glauben, dass sich russische Manga noch in der Entwicklungsphase befinden und nicht als Manga bezeichnet werden können.
Das ist auch nicht weiter verwunderlich, weil unser Interesse an Manga noch relativ neu ist, und deshalb hauptsächlich junge Künstler Manga zeichnen, die noch keine Erfahrung darin haben, gute Geschichten zu schreiben.


Es gibt bei uns praktisch keine Manga-Schulen, um eine richtige Ausbildung für die Herstellung von Manga zu erhalten. Die jungen Künstler besuchen meist verschiedene Klassen, um von anderen Künstlern und Mangaka mit etwas mehr Erfahrung Grundkenntnisse zu erwerben, oder sie suchen im Internet nach Informationen (z. B. die kurzen Videokurse der SMA). Der schwerwiegendste Unterschied ist aber, dass es keine professionellen Manga-Redakteure gibt. In Russland werden Manga von einer Person oder einer Gruppe erstellt, aber es gibt niemanden, der den Künstler in die richtige Richtung führt und dabei hilft, sein Talent zu entwickeln.



F: Sie arbeiten jetzt zum ersten Mal mit einem japanischen Verlag zusammen. Wie kommunizieren Sie mit Ihrem verantwortlichen Lektor? Klären Sie uns doch bitte über Ihren Arbeitsablauf über diese Entfernung hinweg auf.


Die gesamte Kommunikation läuft über Social Media, auf Englisch. Wegen dem 6 Stunden-Zeitunterschied können wir nur wenige Stunden am Tag kommunizieren. Deshalb ist es wichtig, dass jedes Anliegen schnell durchgesprochen wird, weil man sonst bis zum nächsten Morgen warten muss. Die Beratung mit meinem Lektor ist wirklich sehr hilfreich, weil ich immer eine professionelle Meinung zu meinen Ideen erhalte. Und wenn mir überhaupt nichts Neues einfällt, bekomme ich Vorschläge zu Story-Konzepten oder Hinweise, wo ich danach suchen kann. Das ist eine große Inspirationshilfe!



F: Sie haben einen Manga erstellt, der in Japan spielt. Wie finden Sie Ihre Referenzmaterialien?


Google Maps ist eine große Hilfe, um reale Orte darzustellen! Bei der SMA Kumamoto-Runde stellten die Wettbewerbsveranstalter den Teilnehmern Fotos von der Präfektur Kumamoto zur Verfügung, die zur Visualisierung der Orte geholfen haben. Manchmal benutze ich auch meine eigenen Fotos, die ich bei meinen Reisen durch Japan gemacht habe.


Über Sideburn004

F: Wann haben Sie beschlossen, Manga-Zeichner zu werden? Und wann haben Sie mit dem Zeichnen angefangen?


Soweit ich mich erinnern kann, habe ich schon seit frühster Kindheit gezeichnet. Mit 9 oder 10 Jahren habe ich dann eine örtliche Kunstschule besucht, wo ich 5 Jahre lang die Grundlagen der Malerei, Grafiken und Komposition gelernt habe. In dieser Zeit habe ich, glaube ich, auch Comics kennengelernt.


Ich habe es immer geliebt, meine eigenen Geschichten zu schreiben, aber ich wollte dem Text immer auch Bilder hinzufügen. Comics waren deshalb für mich die perfekte Möglichkeit, um meine eigenen Geschichten zu kreieren. Meine erste Begegnung mit Manga hatte ich mit 16 oder 17, als die erste offizielle russische Übersetzung von Rumiko Takahashis „Ranma ½“ veröffentlicht wurde. Von da an sammelte ich russische Manga aus Kinderzeitschriften und im Internet, um noch mehr Manga lesen zu können.


Was mich beim Manga als Erstes fasziniert hat, war die unglaubliche Art und Weise, wie die Emotionen in Schwarzweiß zum Ausdruck gebracht werden. Zu dieser Zeit waren mir auch Animes bereits bekannt, und wegen den lebhaften Emotionen der Figuren wollte ich auch über dieses Medium unbedingt mehr erfahren. Als ich aber feststellte, dass das Zeichnen von Schwarzweiß-Manga relativ schnell geht, fiel meine Entscheidung, dass ich meine Fähigkeiten in diesem Medium entwickeln will – ja, ich bin eine sehr faule Person!



F: Wann haben Sie zum ersten Mal einen Manga für einen Wettbewerb eingereicht und worum ging es in diesem?


An meine erste fertige Geschichte kann ich mich nicht erinnern... Höchstwahrscheinlich war es irgendein kurzer Manga für einen örtlichen Kunstwettbewerb. Ich liebe Manga-Serien über alles und hänge sehr schnell an den Charakteren, daher war es für mich sehr schwer, eine kurze Geschichte zu zeichnen und mich dann von den Charakteren verabschieden zu müssen. Beim SMA-Wettbewerb war das Thema in meiner ersten Runde „Lächeln“, daher handelte meine Geschichte von einem Waisenmädchen, das noch nie zuvor ein Lächeln in ihrem Leben gesehen hatte. Aber zum Schluss gab es ein Happy End!



F: Lesen Sie japanische Manga oder Manga aus anderen Ländern? Welche Autoren bewundern Sie, und von wem lassen Sie sich beeinflussen?


Natürlich lese ich japanische Manga! Am meisten mag ich Shonen Manga. Meine Lieblingsmanga wurden im Shonen Jump Magazin veröffentlicht, darunter „Bleach“, „My Hero Academia“, „Naruto“, „One Piece“ und viele weitere. Ich lese auch Shonen und Shoujo Manga aus anderen Magazinen, aber weil diese viel seltener erscheinen, ist es immer sehr schwer, auf die Fortsetzung zu warten!


Was Manga aus anderen Ländern betrifft, so hat mich in letzter Zeit der französische Comic „Radiant“ von Tony Valente am meisten beeindruckt. Er hat Humor, faszinierende Charaktere und die Energie einer klassischen Shonen-Geschichte. Es überrascht mich nicht, dass dieses Werk eine Anime-Adaption erhalten hat!



F: Die Herstellung eines Mangas umfasst mehrere Arbeitsschritte, wie die Entwicklung und Ausarbeitung der Geschichte, die Panel-Aufteilung, das Tuschen und den Feinschliff. Was davon tun Sie am liebsten?


Bei der Manga-Erstellung bringt jede Phase Qualen und Leid mit sich! Gleichzeitig ist jede Phase unglaublich interessant und hat ihren ganz eigenen Reiz. Jeder Schritt ist auf eine andere Art unglaublich komplex.

Bei der Erstellung von Konzept und Charakteren braucht man ein maximales Level an Fantasie, und muss dann eine ganze Reihe verschiedener Optionen durchgehen. Für das Skript und das Storyboard müssen die Dialoge zusammen mit den Positionen der Panels und anderen Details berücksichtigt werden. Wenn man dann die Linien erstellt, kann man bereits „den Kopf abschalten“. Das ist mechanische Arbeit, die aber trotzdem auch Konzentration erfordert. In der letzten Phase, beim Hinzufügen von Rastermustern und Text, ist man schon ganz gespannt auf das fertige Ergebnis und kann es kaum abwarten, den Comic endlich als Ganzes zu sehen.



F: Was für Dinge brauchen Sie, wenn Sie Manga erstellen? Also zum Beispiel besondere Getränke oder Musik im Hintergrund...


In der Anfangsphase, wo ich das Konzept und Skript entwickele, ziehe ich es vor, allein und in Stille nachzudenken. Ich brauche dazu höchste Konzentration und will durch nichts gestört werden. In den späteren Phasen, wo ich die Skizzen und Linien zeichne, bin ich viel entspannter und kann nebenher Musik oder TV-Shows im Hintergrund laufen lassen. Wenn ich arbeite, kann ich viele Stunden lang am Tisch sitzen, ohne an Essen oder Trinken zu denken, deshalb habe ich hier keine besonderen Vorlieben.



F: Was tun Sie außer dem Zeichnen von Manga noch gerne?


Ich liebe es, Blockbuster-Filme auf einer riesigen Leinwand anzuschauen. Ich bin sehr visuell veranlagt, daher kriege ich einen großen Teil meiner Inspiration durch das Anschauen von IMAX-Filmen.



F: Sie sind ja auch als Manga-Autor tätig. Welchen Herausforderungen müssen Sie sich stellen, wenn Sie eine Geschichte sowohl zeichnen als auch schreiben? Und welchen Rat würden Sie einem Team aus Autor und Zeichner geben?


Es ist schwierig, das Skript und die Zeichnungen gleichzeitig zu koordinieren, und es nimmt viel Zeit in Anspruch. Aber wenn ich ein fertiges Storyboard vorgelegt kriege, passiert es häufig, dass ich darüber nachdenke, wie man das Skript vereinfachen könnte.


Wenn man mit einem Autor zusammenarbeitet, kann es passieren, dass man vergisst, an die Handlung und die Charaktere zu denken, weil man sich nur auf das Visuelle konzentriert. Mein Rat für eine solche Teamarbeit ist, dass man sich im Voraus über alle Punkte der Zusammenarbeit einig ist: Darf der Künstler Änderungen am Skript oder am Erscheinungsbild der Figuren vornehmen? Darf sich der Autor bei den Zeichnungen einmischen, wenn er sich eine Szene anders vorgestellt hat? Die große Schwierigkeit besteht meist darin, dass der Autor sich nicht darüber bewusst ist, wie seine Textnarration auf einem Storyboard aussehen wird. Es besteht aber ein Unterschied zwischen einem Text für ein Buch und einem Skript für einen Comic oder Film. Daher empfehle ich Autoren, dass sie den Künstlern ihr Skript in Form eines Storyboards vorlegen, selbst wenn es überhaupt nicht gut gezeichnet ist.


Digital Zeichnen mit CLIP STUDIO PAINT

F: Erzählen Sie uns doch bitte etwas über Ihre Arbeitsweise. Benutzen Sie einen Computer, ein Pen-Tablet oder sonstige Geräte (Controller usw.)? Falls ja, welche?


Für meine Arbeit benutze ich Wacom Cintiq Grafiktabletts mit einem Windows-PC und ein iPad Pro. Diese Geräte sind hervorragend, wenn man professionell arbeitet, weil man beim Erstellungsprozess nicht an technische Probleme denken muss.



F: Wann haben Sie damit angefangen, Ihre Comics und Illustrationen digital zu zeichnen? Was war der Grund für diesen Wechsel?


Mein erstes Grafiktablett habe ich mir vor über 10 Jahren gekauft. Ich habe damit Illustrationen gezeichnet und in meinen Manga Rastermuster und Texte hinzugefügt. (Rasterfolien sind in Russland teuer und schwer zu kriegen, daher war es am einfachsten, dafür Grafikprogramme zu verwenden.) Vollständig digital habe ich meine Manga erst gezeichnet, seit ich ein Wacom Cintiq habe, mit dem ich die Linien genau so zeichnen konnte wie auf Papier. In CLIP STUDIO PAINT gibt es außerdem den „echten G-Pen“ als Zeichen-Tool, mit dem die Linien fast genauso aussehen wie Tintenlinien auf echtem Papier. Momentan kreiere ich meine Manga teils digital und teils auf traditionelle Weise. Das ist für mich die perfekte Mischung!



F: Das heißt also, Sie kombinieren digitale und traditionelle Arbeitsschritte! Wie sieht Ihr Arbeitsablauf dann genau aus?


Für den Großteil meiner Arbeit benutze ich traditionelle Papiermaterialien. Nachdem ich das Skript erstellt habe, zeichne ich ein grobes Storyboard aus kleinen Bildern mit jeweils etwa 3 x 5 cm. Danach fertige ich die Skizze auf Standardpapier an. Die Tuschezeichnungen erstelle ich entweder direkt auf dem Papier oder ich benutze dafür meinen PC und mein Grafiktablett. Manchmal erstelle ich auch die Skizzen auf dem Tablet, aber das mache ich eher ungern, weil ich es dann schwieriger finde, das Papier als Ganzes wahrzunehmen und die richtige Anordnung für die Komposition zu finden. Aber in der Endphase, also zum Hinzufügen der Rastermuster, Effekte und Texte, arbeite ich nur noch digital auf dem PC.



F: Warum mischen Sie digitale und traditionelle Arbeitsschritte?


Ich mag das Gefühl, wenn man mit traditionellen Materialien arbeitet: Das glatte Papier, das Geräusch, wenn man mit Stift und Tinte eine Linie zeichnet, die leichte Unebenheit und Grobheit der Linien, den Geruch und das Geräusch, wenn man mit Markern auf Papier malt... Am digitalen Zeichnen gefällt mir, wie schnell ich etwas korrigieren kann, und die Vielzahl an Materialien zur Erschaffung der Atmosphäre und Effekte. Außerdem kann man Farben, Marker oder Tinte nicht immer überallhin mitnehmen, aber mit dem Tablet kann ich überall arbeiten.



F: Hat sich Ihre Arbeitsweise oder -geschwindigkeit verändert, seitdem Sie digitale Prozesse integrieren?


Ich glaube nicht, dass sich mein Arbeitstempo besonders verändert hat. Ich kann mich immer noch nicht als vollständig digitale Person bezeichnen, deshalb können einige Schritte wie das Erstellen einer Skizzenseite genauso viel Zeit in Anspruch nehmen wie beim Arbeiten auf Papier. Ich denke, dass das Tuschen auf Papier manchmal sogar schneller geht als auf dem Computer.



F: Benutzen Sie CLIP STUDIO PAINT für Ihre digitale Arbeit, und wenn ja, warum?


CLIP STUDIO PAINT ist mein Lieblingsprogramm zum Erstellen von Manga! Die Software hat alles, was man braucht, vom Skizzieren der Seiten bis hin zum Hinzufügen von Text. Es ist sehr praktisch, um das gewünschte Seitenformat auszuwählen und dabei die vom Verlag angeforderten Seitenränder festzulegen. Darüber hinaus gibt es eine riesige Auswahl an verschiedenen Tools.



F: Verraten Sie uns, was Ihre drei Lieblingsfunktionen in CLIP STUDIO PAINT sind und in welchen Situationen Sie sie benutzen?


Ich benutze sehr gerne den „echten G-Pen“, um die „lebendigsten“ Linien zu erzeugen. Die Lineale und Perspektiven sind unglaublich praktisch, um Speedlines und Hintergründe zu zeichnen. Wenn ich Rastermuster hinzufüge, nutze ich meistens die Möglichkeit, das Raster auf einmal auf die gesamte Bildebene anzuwenden, was die Arbeit erheblich beschleunigt.


Letzte Worte

F: Welches Thema soll Ihr nächster Manga haben?


Ich habe immer sehr viele Ideen. Mal sehen, welche davon ich in naher Zukunft weiter ausarbeiten kann. Keine Spoiler, haha!!



F: Vielen Dank für Ihre Zeit!


SILENT MANGA AUDITION®

Eine der größten und erfolgreichsten Manga-Wettbewerbe der Welt, veranstaltet vom Verlag Coamix, Inc., welcher von einigen der berühmtesten Mangaka Japans gegründet wurde. Ziel des Wettbewerbs ist die Entdeckung, Förderung und Veröffentlichung einer neuen Generation von internationalen Manga-Zeichnern.

Hinweis: Die Webseite ist auf Englisch.

https://www.manga-audition.com

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