[Die Entstehung einer Geschichte] 8-seitiger Manga-Handlungsstrang / Romantik

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In dieser Folge können Sie den Prozess zur Erstellung des Storyboards 2 für den internationalen „Comic & Manga“ Schulwettbewerb 2020 von CLIP STUDIO PAINT mitverfolgen.

Moderator: Manga-Skriptschreiber Dr. Gotō


Den Inhalt dieses Artikels können Sie sich auch als Video (auf Japanisch!) anschauen.

https://youtu.be/tvnccSlnpFI



- Was hat es mit diesem Schulwettbewerb auf sich?


Es handelt sich hier um einen Manga- und Illustrationswettbewerb für Schüler und Studenten aus der ganzen Welt. Die Gewinner erhalten Preisgelder, für das digitale Erstellen von Illustrationen und Manga perfekte Software und Grafiktabletts sowie die Chance auf Veröffentlichung ihrer Werke! Darüber hinaus werden professionelle Künstler und Herausgeber Werke kommentieren, was die eigenen Fähigkeiten verbessern kann. Vier neue Kategorien wie u. a. „Storyboard“ und „Webtoon“ wurden hinzugefügt, wodurch sich die Gewinnchancen auf einen Preis erhöhen.

https://www.clipstudio.net/promotion/comiccontest/de/


Die Geschichte für diesen achtseitigen Manga wird hier in 20 Minuten erklärt!

Die für diesen Wettbewerb benötigte Seitenanzahl des Storyboards beträgt acht Seiten.

Das Storyboard für das Thema „Versprechen“ soll einen Handlungsstrang für jeweils einen Shōnen-Manga und einen Shōjo-Manga sein.


Hier wird erklärt, wie man die Handlung eines Shōjo-Manga erstellt.


Hinweis: Hier finden Sie den vorherigen Artikel, der den Shōnen-Manga behandelt.

https://tips.clip-studio.com/de-de/articles/2858


Themen entsprechend der Handlung zuweisen

Wie in der vorherigen Handlung des Shōnen-Manga werden die folgenden drei Punkte aus den Wettbewerbsbestimmungen in das Werk eingebunden:

- Die Szenen lassen sich bildnerisch schön positionieren.

- Der Inhalt ist für Menschen aus aller Welt interessant.

- Das Storyboard regt Leser an, über das „Versprechen“ nachzudenken.


 Was man bei einem Shōjo-Manga beachten muss

Shōjo-Manga sind eine schwieriges Unterfangen, wenn man sie für eine globale Leserschaft zeichnen soll.

Das liegt an dem einzigartigen Kontext, in dem sich die Geschichten des japanischen Shōjo-Manga abspielen.


Generell ist der zentrale Handlungsort die Schule.

Dort kommen viele Situationen vor, die eine Leserschaft nur versteht, wenn sie das japanische Schulsystem kennt wie z. B. die Bedeutung von „Senpai“ (Schüler einer höheren Klassenstufe), „Kohai“ (Schüler einer niedrigeren Klassenstufe) sowie „Bukatsudo“ (Themenspezifische Clubs von Schülern für Schüler).

Darüber hinaus kann sich das Verständnis von Sinnlichkeit in Japan zu anderen Regionen unterscheiden. Beispielsweise ruft alleine das Halten der Hand des Schwarms bereits ein sehr starkes Gefühl hervor.


Um es also für Leser aus aller Welt interessant zu halten, sollten typisch japanische Charakteristika vermieden werden.


Das Thema genau definieren

Wir werden diese drei Punkte in die Handlung mit einbeziehen:


Versprechen richtet sich an Mädchen

- Hauptfigur ist ein Mädchen

- Typisch für Shōjo-Manga: zielorientierter Charakter, der das Versprechen wahr werden lassen will


Da die Geschichte davon handelt, ob das Versprechen erfüllt wird oder nicht, kann es „ein Happy End sein, bei dem das Versprechen erfüllt wird“ oder „ein schmerzhaftes Ende sein, bei dem das Versprechen nicht erfüllt wurde".


Dieses Mal bereiten wir ein positives und erfüllendes Ende vor, um ein breites Publikum zu erreichen.


 Ein rührendes Versprechen darstellen

Ich überlege, welches Versprechen sich anbietet, damit der Leser gerührt wird.

Ein Versprechen, dessen Erfüllung Jahre dauert, oder ein Versprechen, jemand wichtigen zu beschützen, werden wahrscheinlich am beeindruckendsten sein.


Zum Beispiel wird „eine Geschichte eines Mädchens, das sein Versprechen an seinen Geliebten lange in seinem Herzen bewahrt hat“ bestimmt bei vielen Menschen Anklang finden.

Dann wird der Moment, in dem sie mit ihrem Schwarm das Versprechen wahr werden lässt oder kurz davor, zum Höhepunkt.


In diesem Fall zeichnen wir nicht die Szene, in der das Versprechen direkt erfüllt wird, sondern lassen es kurz davor enden, damit wir dem Leser über das Versprechen nachdenken lassen.


Über die Situation nachdenken

Nachdem ich jetzt weiß, wie ich vorgehen möchte, denke ich genauer über die Situation nach.


 Die Art des Versprechens festlegen

Ich überlege mir, was für ein Versprechen die Hauptfigur mit ihrem Schwarm haben könnte.

Weil es ein Versprechen mit ihrer Flamme ist, sollte die Erfüllung entweder in einem ersten Date, einer Hochzeit oder in etwas anderem im Bezug auf Liebe enden.

Mit anderen Worten, zu Beginn der Geschichte befindet sich die Beziehung zum Gegenpart in der Vorstufe eines Dates oder einer Hochzeit.


Dann brauchen wir also einen Jungen, der ihr entweder sehr nahe steht oder ihr Schwarm ist.

Es macht keinen Sinn, ein Versprechen mit jemanden darzustellen, der sich nicht um Versprechen schert.

Auf der anderen Seite müssten die beiden, um ihr Versprechen wirklich lange Zeit zu bewahren, eine gewisse Zuneigung für einander haben.


Wenn ich so über ein Versprechen unter Liebenden nachdenke, ist das wohl die Ehe.

Da sie nicht sofort heiraten können, versprechen sie es sich gegenseitig.


Nehmen wir an, es sind noch Kinder.

„Wir werden heiraten, wenn wir uns als Erwachsene wiedersehen.“ erweckt das Gefühl, es nicht abwarten zu können, bis man erwachsen wird.

Ja, als Thema ist das im Groben gut!


 Über Hindernisse nachdenken

Die Geschichte beginnt mit der Protagonistin, die, wenn sie erwachsen ist, heiraten möchte.

Sie hat sehr lange gewartet, aber um den Zeitpunkt, an dem sich das Versprechen erfüllen soll, bahnt sich ein Hindernis an.


Beide stoßen bereits wegen Lappalien aneinander und fragen sich jeweils, ob der andere das Versprechen bereits vergessen hat.

Trotzdem mögen sich beide immer noch sehr. Dieser Gemütszustand wird zu einem Hindernis des Versprechens.


Hier ist das Versprechen aus der Kindheit für die nun Erwachsenen schließlich „zu peinlich, um es anzusprechen“.

Lass‘ uns die Beiden im Dunkeln darüber lassen, ob sich der andere an dieses Kindheitsversprechen erinnern kann.


Den Handlungsstrang entwickeln

Nachdem wir nun alle Punkte festgelegt haben, habe ich folgenden Handlungsstrang zusammengestellt:

- -

Als die Hauptfigur ein Kind war, versprach sie sich gemeinsam mit einem Jungen: „Wir werden heiraten, wenn wir uns an einem bestimmten Tag an einem bestimmten Ort wiedersehen.“

Beide sind nun erwachsen geworden und arbeiten täglich miteinander, daher reden sie nicht über dieses Versprechen.

Andererseits versuchen sie herauszufinden, ob der andere sich an das Versprechen erinnert, da sie sich doch sehr mögen.

Der Tag, an dem das Versprechen eingelöst werden soll, kommt, ohne dass sie ihre Gefühle zueinander kennen.

Beide gehen zur verabredeten Zeit zum Treffpunkt, um zu schauen, ob der andere die Gefühle erwidert.

Der Ausgang des Versprechens wird nicht bekannt gegeben, und die Geschichte endet mit einem Spannungsbogen für den Leser, damit er überlegt, wie es für die beiden wohl weitergeht.

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Diesmal habe ich nicht den genauen Moment gezeichnet, bei dem sich das Versprechen erfüllt, was den Leser bis zum Ende mitfiebern lässt.

In dieser Handlung lasse ich beide Charaktere in der zwiespältigen Situation, „in der ich zwar wissen möchte, ob sich mein Schwarm an das Versprechen erinnert, aber was mache ich, wenn er es nicht tut“?


Nun ist es an der Zeit darüber nachzudenken, wie viele Bilder ich brauche, um den Handlungsstrang ausdrücken zu können.



▼ Junpei Gotō: „Manga Script Doctor“ / CEO von Tokyo Name Tank

YouTube:

https://www.youtube.com/channel/UCqI2ffVsUgbKPlAgeVAWv7g

Twitter:

https://twitter.com/goto_junpei

Note:

https://note.mu/nametank


▼ Wer ist Manga-Skriptschreiber Dr. Gotō?

Er stellt Manga im Bereich Shōnen, Shōjo, Phänomen, sowie verschiedene Techniken, Tricks und Kreationsmöglichkeiten von Storyboards für Manga vor. Darüber hinaus befasst er sich mit der Vorstellung von Manga, dem Erstellen von Illustrationen, der Verwendung von CLIP STUDIO PAINT, digitalen Zeichenprogrammen für das iPad usw.


▼ Was ist Tokyo Name-Tank?

Ein Klassenzimmer und Forschungsinstitut in Japan, das Manga-spezifische Storyboards und die Panelaufteilungen lehrt.

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