So wird eine Manga-Seite für BACKHOME erstellt

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https://youtu.be/LLp1p6o8FQw

1. Einleitung

Hallo allerseits, ich bin Toni Caballero, Illustrator und Comiczeichner. Zusammen mit dem Drehbuchautor Sergio Hernández zeichne ich den Manga „BACKHOME“ für Planeta Manga und Planeta Cómic.

In diesem Tutorial zeige ich dir den Entwicklungsprozess einer unserer Seiten. Vom Aufbau der ersten Skizze bis zur fertigen Seite werde ich jede der Phasen erklären, die sowohl visuell als auch narrativ für eine Comicseite relevant ist.

Lass uns einfach loslegen!


2. Seitenaufbau

Die Seitengröße, die ich für Manga verwende, wird immer vom Herausgeber vorgegeben. In diesem Fall, für die Veröffentlichung in Planeta Manga, verwende ich 17,5 x 25,5 mm. Ich füge jedem Rand einen 5 mm breiten Beschnitt hinzu, damit das Werk nicht beeinträchtigt wird, falls geringe Druckfehler auftreten.

Die Auflösung stelle ich auf 1.200 dpi ein, da das endgültige Format monochrom sein wird. Trotzdem werden alle Arbeiten vor dem Wechsel in Monochrom mit der Einstellung [Allgemeine Ausdrucksfarbe] auf [Farbe] vollzogen.


Sobald ich die Leinwand erstellt habe, skizziere ich die Reihenfolge und den Aufbau der Panels, die ich mit dem Drehbuchautor Sergio Hernández festgelegt habe.

Wie unschwer erkennbar ist, wird alles anhand von Formen gezeichnet, um deren Positionen zu ermitteln und zu überprüfen, ob die Idee funktioniert. Dann bearbeite ich die vorherigen Entwürfe, bis ich eine endgültige Skizze habe, mit der ich arbeiten kann. Danach fange ich mit dem Tuschen an und zeichne über die endgültige Skizze.


In Bezug auf die visuelle Erzählung habe ich bestimmte Elemente verwendet, um den Blick des Lesers direkt auf das zu lenken, was ich als Künstler hervorheben möchte:


Im ersten Panel siehst du eine Kreatur, die für unsere Hauptcharaktere Ärger bedeutet. Ein „Schatten“ (wie sie im Manga genannt werden) betritt einen Raum von rechts nach links, entsprechend der Leserichtung. Dies ist wichtig, da es den Blick des Lesers zum nächsten Panel lenkt.

Hier entfernen sich unsere Protagonisten Ann und Eiden von diesem vorherigen Punkt, was die Wahrnehmung des Orientierungssinns beeinflusst. Unbewusst weiß der Leser, dass sie auf der Flucht oder in Schwierigkeiten sind, da die Erzählrichtung nicht die gleiche ist. Ich verstärke die Bewegung der Augen in Richtung des unteren Panels.


Im dritten Panel siehst du, wie Ann und Eiden sich vom ersten Punkt entfernen. Diese vertikalen Linien der Bäume werden größer und münden direkt ins Panel darunter.


Um das Zögern der Charaktere einzufangen, wenn es darum geht, sich für eine Richtung zu entscheiden, hilft mir ihre Körpersprache. Wenn du genau hinschaust, siehst du, wie Eiden auf einen Punkt blickt und Ann in die entgegengesetzte Richtung schaut, was dem menschlichen Auge ein Zeichen für Unschlüssigkeit vermittelt. Dies ist eine Technik, die organisch, natürlich ist und vor allem vom Leser sofort verstanden wird.


Außerdem wird man beim Lesen des Comics vom oberen Panel und von rechts nach links direkt zum unteren geleitet. Somit sieht der Leser zuerst Eidens Gesicht, dann Anns und schließlich das des Schattens im nächsten Panel. All dies wird durch die vertikalen Linien verstärkt, auf die ich zuvor hingewiesen habe.


Im vierten Panel haben wir eine Nahaufnahme des Schattens, den wir oben auf der Seite gesehen haben. Ich beeinflusse das visuelle Leseverständnis in Richtung des nächsten Panels, indem ich die Perspektive nach rechts neige und sie mit einer extremen Nahaufnahme der Hand verstärke, die uns zum fünften Panel führt.


Für dieses fünfte Panel habe ich dieselbe Technik wie beim ersten angewandt.


Was uns zum sechsten und letzten Panel führt. Hier steuere ich die Leserichtung auf die linke Seite und lenke durch den Winkel der Bäume die Bewegung der Augen in Richtung des ersten Panels auf der nächsten Seite. Dies ist eine sehr nützliche Technik, um Rhythmus in deine Erzählung zu bringen.


3. Seite tuschen

Sobald dieser Schritt abgeschlossen ist, ist es Zeit, die Charaktere zu tuschen. Diesen Teil genieße ich sehr. Hier gebe ich mir besonders viel Mühe, um sicherzustellen, dass alles sitzt.


- Gutter und Panels

Der nächste Schritt im Entwicklungsprozess ist das Hinzufügen von einem Rahmen, der im Einklang mit den Seitenrändern steht, mit einer Breite von 25 Pixel. Dann teile ich den gesamten Rahmen mit dem [Panelumriss] in Panels. (Eine komplette Seitenvorlage mit Panels findest du in der [Material] Palette > [Manga material]> [Framing template]. In meinem Fall habe ich diesen Ordner in den Sprechblasen-Ordner gelegt und ihn dann umbenannt, da dies die einzige voreingestellte Panelvorlage ist, die ich verwende, und es für mich einfacher ist, sie auf diese Weise zu finden.)


Sobald alle Charaktere getuscht sind, füge ich eine leere weiße Ebene hinzu und füge alles zusammen. Schließlich stelle ich die Ebene auf Binarisierung ein, damit das Schneiden perfekt durchgeführt werden kann. Du findest die [Binarisierung] Einstellung im Menü [Bearbeiten] > [Farbkorrektur]. Jetzt entferne ich den inneren Teil der Panels mit dem [Automatische Auswahl] Tool. Dies führt zu einer einzigen Ebene mit allen Guttern, die vom Rest der Leinwand getrennt sind.


- Pinsel und Tuschen der Charaktere

Ich füge eine neue Ebene hinzu, fülle sie mit Weiß und reduziere ihre Deckkraft auf eine niedrige Stufe. Dies funktioniert ähnlich wie bei einem Leuchttisch.


Ich füge eine weitere Ebene hinzu, auf der ich die Linienzeichnung für unsere Charaktere zeichnen werde.


Für die Linienzeichnung verwende ich das [Echter G-Pen] Tool mit mittlerem Anti-Aliasing, um das Zeichnen von Linien und Verläufen von Linien/Schraffuren zu vereinfachen. (Dies passt sehr gut zum grafischen Aspekt dieses Werks.) Wenn ich das dann auf Binarisierung eingestellt habe, wirkt es natürlicher als direkt mit einem Pinsel in Schwarzweiß oder ohne Anti-Aliasing zu zeichnen.


Lass uns nun mit dem Tuschen fortfahren.


Mit dem [Echter G-Pen] Pinsel füge ich den Umrisslinien der Charaktere Details hinzu. Da der Schatten aus viel Schwarz besteht, verwende ich [Kreuzschraffur] Pinsel, um einen traditionellen Tuscheffekt zu erzielen.


Insbesondere diese beiden Pinsel:


Ich bessere jedes kleine Detail bis zur Haarspitze aus. Für Haare verwende ich normalerweise eine Kombination aus weißer und schwarzer Tusche und den [Texturierter Stift], um mehr Tiefe und Realität mit jeder Haarsträhne zu erzielen. Das macht es zwar etwas schwieriger und es braucht etwas länger, aber die Ergebnisse sind wirklich bemerkenswert!


Sobald meine Charaktere getuscht sind, verwende ich eine leere Ebene, die ich als Leuchttisch verwende. Ich ändere die Deckkraft auf 100% und füge sie der getuschten Ebene hinzu.


Nachdem ich sie zusammengelegt habe, wende ich die Binarisierung auf die neue Ebene an. Das Ergebnis ist diese einfarbige Seite, die genau wie die Panelebene präzise zugeschnitten werden kann. (Dieser Schritt wird während des gesamten Tutorials immer wieder wiederholt auf verschiedene Elemente angewandt.)


Dafür muss ich alles, was keine Figur in dieser Ebene ist, mit dem automatischen Auswahl-Tool entfernen. Das Ergebnis ist eine getrennte Ebene nur für das Getuschte, genau wie bei den Guttern.


Ich wende den gleichen Vorgang auf die Hand des Schattens an. Ich lasse sie auf einer separaten Ebene, um sie anschließend zu verwischen und Tiefe im Panel zu erzeugen.


4. Panelhintergründe

Auf dieser Seite werde ich perspektivische Zeichnungen sowie Fotos verwenden, die mir helfen, den Hintergrund zu definieren und dem Rest der Zeichnung ein mehr realistisches Aussehen zu verleihen.

Lass mich zeigen, wie du diesen Effekt erzielen kannst.


- Hintergrund mit realistischer Wirkung von Grund auf

Ich werde mit dem zweiten Panel beginnen. Um dieses Panel zu tuschen, verwende ich keine Fotos als Grundlage. Allerdings werde ich hier einige von CLIP STUDIO ASSETS heruntergeladene Pinsel benutzen, um das Bild so zu bearbeiten, so dass wir es praktisch als realistisches Bild einstufen können.


Nachdem ich den Panelumriss mit dem [Fineliner] Marker getuscht habe, male ich alles mit dicken Linien mit dem [Echter G-Pen] Pinsel (große Größe). Dadurch werden die Kanten des Pinsels fransiger und es entsteht ein Art Rosteffekt auf metallischen Oberflächen. Dann entferne und füge ich Linien mit Kreuzschraffuren hinzu. Insbesondere diese beiden:


Später vervollständige ich das zerbrochene Glas auf verschiedenen Ebenen, um einen transparenten Effekt zu erzeugen. Genau wie bei echtem Glas.


Um diesen Fensterrahmen fertigzustellen, füge ich ihn schließlich mit einer weißen Ebene zusammen und schneide ihn auf die gleiche Weise zu, wie ich es mit der Charakter- und der Gutterebene getan habe.

Ich füge allen Baumstämmen mit einem benutzerdefinierten Pinsel, der eine Baumtextur enthält, Details hinzu. Danach bearbeite ich alle diese Bäume mit einem Blattpinsel. Das Experimentieren mit verschiedenen Graustufen bringt Realität ins Bild.


Hier brauche ich nur ein paar Ebenen mit der [Multiplizieren] Füllmethode hinzuzufügen, um einen Nachteffekt für die Szene zu erhalten. Anschließend verwische ich die Ebenen des Fensterrahmens ([Filter] > [Weichzeichnen] > [Gaußscher Weichzeichner]) und füge der Szene Partikel hinzu, um den Eindruck von Schnee hervorzurufen.


Ich verwische auch einige Partikel mit demselben [Weichzeichnen] Tool, um mit der Perspektive im Einklang mit dem Panel zu bringen.


- Fotobasierter Hintergrund

Der Hintergrund des Panels, in dem der Schatten in den Raum tritt, wird mit Hilfe eines Fotos gemalt.


Ich platziere das Foto unter der Ebene mit dem Charakter. Sobald ich sie in den gewünschten Winkel positioniert habe, dupliziere ich die Fotoebene und füge [Unscharf maskieren] hinzu: [Filter] > [Scharfzeichnen] > [Unscharf maskieren]. Dies lässt alle fast unsichtbaren Linien im Foto viel deutlicher erscheinen. Ich dupliziere diese Ebene noch zweimal und wende auf jede eine andere Einstellung der Binarisierung für Licht und Schatten an. Von weniger zu mehr Schatten:


Danach lösche ich die Bereiche und Linien, die in den einzelnen Ebenen nicht gut erkennbar sind. So mache ich Platz für alle Linien, die auf der untersten Ebene besser definiert sind. All dies, in Kombination mit Ebenenmasken, erleichtert den Arbeitsprozess.

Diesen Prozess wiederhole ich, bis ich den Punkt erreiche, bei dem die meisten Linien sichtbar sind.


Um diesem Schritt einen traditionellen Touch zu verpassen, verwende ich wieder [Kreuzschraffur] Pinsel. Dieses Mal schraffiere ich mit parallelen Linien sowie mit dem [Echter G-Pen] mit transparenter Farbe (zum Entfernen).


Um mit dem Tuschen dieses Hintergrunds abzuschließen, stelle ich die Linien, die bei der Fotoverarbeitung verloren gegangen sind, wieder her und beende die Glasscherben und Außenbereiche auf die gleiche Weise wie im vorherigen Panel.


Ich verwende die erste Ebene des Fotos, um die Grundschattierung für den Hintergrund zu erstellen. Ich ändere das Foto in Graustufentöne um und wende nach dem Bearbeiten der verschiedenen Töne die [Tontrennung] an: [Bearbeiten] > [Farbkorrektur] > [Tontrennung]. Somit haben wir nur sechs Grautöne.


Danach setze ich die oberen Ebenen auf [Multiplizieren]. (Gilt sowohl für die Linienzeichnungen als auch die neuen, die ich hinzufügt habe, um den gleichen Nachteffekt wie im vorherigen Panel zu erzielen).


Und dann wiederhole ich die gleichen Schritte, die ich im vorherigen Panel ausgeführt habe, um auch die Ästhetik beizubehalten.


5. Letzte Details und Rastereffekte

- Geräusche

Ich platziere die Seitenelemente auf einer neuen Ebene (was ich löschen werde, sobald ich sie platziert und designt habe).

Ich beginne mit den Geräuschen und den Sprechblasen, die vom Schatten kommen. Dafür verwende ich den gleichen Pinsel, mit dem ich den schneebedeckten Boden auf dem Rest der Seite gezeichnet habe. Diesen:


Sobald ich die Binarisierung eingesetzt habe, erscheint die Linie um den Strich rostiger, und dies sieht bei einem Soundeffekt großartig aus - ich werde es jedoch aus den Sprechblasen des Schattens entfernen. Diese Sprechblasen werden ausgeschnitten und auf einer anderen Ebene eingefügt, um sie vom Geräuscheordner zu trennen.


- Sprechblasen

Ich habe diese Sprechblasen unter den Materialien von CLIP STUDIO gefunden.


Sie können nach Belieben bearbeitet werden und haben auch einen fantastischen G-Pen-Effekt. Sobald sie alle an ihrem Platz sind, organisiere ich sie in einem Ordner.


- Raster

Wir sind am letzten Punkt dieses Tutorials angelangt! Zeit, die für Manga charakteristischen Rastermuster anzuwenden.


Ich füge alle sichtbaren Ebenen zu einer neuen Ebene zusammen und blende zuerst die Ordner „Geräusche“ und „Sprechblasen“ aus. Rechtsklick auf eine Ebene > [Kopien sichtbarer Ebenen kombinieren].

Auf diese Weise können wir den gesamten Grafikbereich der Seite in einer einzigen Ebene zusammenfassen und alle Elemente auf einfache und schnelle Weise in Raster umwandeln.


Sobald ich meine zusammengefügte Seite habe, rastere ich die gesamte Seite/Ebene, indem ich auf die Raster in der [Ebeneneigenschaften] Palette betätige. Das ist der hier bläulich unterlegte Bereich:


Dadurch wird die Ebene automatisch in Rastermuster umgewandelt.

Da Planeta Manga, das Magazin, in dem BACKHOME veröffentlicht wird, eine größere Seitengröße verwendet, muss ich die Punktdichte der Raster auf das Maximum stellen (Rastereinstellungen). Dies ist die beste Einstellung für das Tuschen von Zeichen und Hintergründen.


Das sieht dann so aus! Die Seite ist komplett fertig und bereit, veröffentlicht zu werden!


6. Abschied

Wie findest du es? Ich finde es großartig.

Ich hoffe, dass mit diesem Tutorial die Funktionen von CLIP STUDIO PAINT zum Greifen nahe sind. Damit kannst du jetzt loslegen, eine Manga-Seite im realistischen Stil von Grund auf neu zu erstellen, genau wie in BACKHOME.

Für mich ist es eine großartige Erfahrung, mit CLIP STUDIO gemeinsam dieses Tutorial erstellt zu haben. Ich bin sicher, wir sehen uns bald wieder!



Bevor ich mich verabschiede, hier meine Website und meine Social Media-Links:

https://www.tonicaballeroart.com


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Twitter

https://twitter.com/ToniCabArt


Auf Wiedersehen, allerseits. Es war mir eine Freude, meinen Arbeitsprozess mit euch allen zu teilen!

Wir sehen uns im nächsten Kapitel von BACKHOME bei Planeta Manga!


Und tschüss!

Ciao!

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