Dave Gibbons: Comic-Schöpfer nach eigener Aussage.

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Erstellen von Comics mit CLIP STUDIO PAINT

Bild: Titelbild von „Dan Dare“


Wie lange üben Sie schon diesen Beruf aus?

Ich zeichne und schreibe Comics seit 1973, das sind jetzt 45 Jahre. Seitdem zeichne ich beruflich in Vollzeit, aber davor habe ich auch schon ein oder zwei kleinere Sachen gemacht. So richtig begann meine Karriere aber 1973.

https://twitter.com/davegibbons90


Was sind Ihre größten Erfolge?

Ich denke, wofür ich am besten bekannt bin, ist meine Tätigkeit als Künstler und Mitschöpfer von „Watchmen“, den ich zusammen mit Alan Moore gemacht habe. Ich habe auch das Superman-Special „Das Geschenk“ mit Alan gezeichnet, das immer noch sehr beliebt zu sein scheint.


Auch der Charakter Rogue Trooper der Comicserie „2000 AD“ wurde von mir mit erschaffen und ich habe auch drei oder vier Jahre an „Doctor Who“ gearbeitet. Außerdem habe ich die „Martha Washington“-Serie zusammen mit Frank Miller erstellt und gezeichnet. Für DC Comics habe ich an „Green Lantern“ und „Green Lantern Corps“ gearbeitet und einige Batman- und Superman-Geschichten geschrieben, darunter „Batman vs. Predator“. Des Weiteren habe ich mit dem Erfinder von „Hellboy“, Mike Mignola, an einer Alien-Geschichte gearbeitet.


Während meiner Jahre als Comics Laureate (eine Art Botschafter stellvertretend für die Comicszene und ihren Einfluss) in England, hatte ich die Chance Comics für die Bildung zu fördern. Von der Universität Dundee in Schottland erhielt ich die Auszeichnung zum Ehrendoktor. 2018 wurde ich auf der Comic Con in San Diego in die „Will Eisner Hall of Fame“ aufgenommen. Den „Harvey Kurtzman“-Preis habe ich dann auf der New Yorker Comic Con erhalten.


Das sind die Erfolge und Errungenschaften, die mir in den Sinn kommen.

Werbebild von „Watchmen“


Für welche Art von Projekten werden Sie kreativ?

Hauptsächlich für Comicserien. Normalerweise mache ich die Bildgestaltung in Schwarzweiß, und entweder es bleibt so, oder es wird von einem Farbspezialisten koloriert (insbesondere von meinem Freund Angus McKay, der die Dinge in Bezug auf Farbe sehr ähnlich sieht wie ich).


Ich mache den einen oder anderen Werbe- oder Reklame-Job. Außerdem arbeite ich viel als Berater für verschiedene Technologieunternehmen wie MadeFire, die Motion Books für das iPad und andere Geräte erstellen. Ich bin auch als kreativer Berater für Magic Leap tätig, die über erstaunliche 3D-Technologien verfügen. Ebenso mache ich ein paar Kleinigkeiten im Spieledesign.

Koloration von „Dr. Grordbort“


Mit was sind Sie ausgestattet?

Ich habe ein MacBook Pro und ein 27-Zoll-Grafiktablett, ein Cintiq von Wacom. Mein TABMATE-Controller ist ein tolles kleines Gadget, um den Zeichenprozess in CLIP STUDIO PAINT zu vereinfachen, weil er vollständig programmierbar ist. Ich habe ein externes 30-Zoll-Apple-Display, das ich als mein Hauptdisplay verwende. Dann habe ich noch einen großen Tischscanner und einen Epson-Drucker und ein iPad Pro.


Ich finde das iPad Pro sehr nützlich, um Skizzen zu machen, wenn man mal nicht am Computer arbeiten kann. Auf dem iPad habe ich die App-Version von CLIP STUDIO PAINT, was großartig ist, da ich Dateien auf dem iPad und dem Computer abwechselnd nutzen kann.


Ich zeichne aber immer noch ab und zu mit Bleistift und Papier. Manchmal mache ich Bleistiftzeichnungen in CLIP STUDIO PAINT, drucke sie aus und tusche sie mit traditionellen Methoden, wenn ich ein Werk als Auftrag erstelle oder aus einem bestimmten Grund eine traditionelle Zeichnung benötige.


Was ist Ihr Arbeitsprozess für eine Comic-Kreation?

Zuerst lese ich das Skript (es sei denn, ich schreibe ... in diesem Fall würde ich das Skript schreiben). Dann fertige ich von jeder Seite Miniaturzeichnungen an; das sind winzige Eindrücke in Briefmarkengröße von ungefähr dem, was ich auf jeder Seite haben möchte, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie die Seiten nebeneinander aussehen und wie sie zusammengesetzt sind.


Dann folgen etwas größere Skizzen, bei denen ich alles grob darstelle - nur um den Ablauf der Bilder und der Geschichte zu verstehen. Danach mache ich genauere Bleistiftzeichnungen und zeichne sie dann mit Tusche nach. Schließlich füge ich Text ein und koloriere die getuschten Zeichnungen.


Das war der Arbeitsprozess mit herkömmlichen Medien. Später benutzte ich ein System, bei dem Beschriftung und Koloration am Computer stattfanden. Jetzt mache ich den gesamten Prozess, von den Miniaturansichten bis zu den endgültigen Seiten mit Beschriftung und Koloration, in CLIP STUDIO PAINT.

Bild: „Tharg the Mighty“


Wie kamen Sie zu CLIP STUDIO PAINT?

Ich benutze seit Anfang der neunziger Jahre einen Computer als Teil meines Arbeitsprozesses für Comics, ursprünglich zum Kolorieren. Traditionell erstellte ich meine Zeichnungen auf Papier mit Stift, Tusche und Pinsel. Dann wurde es gescannt und mit Adobe Photoshop digital koloriert. Später verwendete ich Adobe Illustrator, um Schriftzüge und andere Aspekte des Grafikdesigns einzuarbeiten.


Ich habe schon immer nach einer Software gesucht, die das Erstellen von Comics erleichtert. Ich war absolut begeistert, als ich auf Manga Studio (ursprünglicher Namen für die englischsprachige Version von CLIP STUDIO PAINT) stieß, da es von Anfang an auf bestimmte Probleme einging und Bedürfnisse bei der Produktion von Comics zugeschnitten war. Gleich als ich die Software fand, fing ich an, sie zu benutzen. Und seitdem verfolge ich die Entwicklung.


Als ich einmal in San Diego war, stellte ich mich den amerikanischen Vertriebspartnern des Programms vor. Ich erwähnte „Watchmen“ und sie waren begeistert, mich zu treffen. Sie fragten mich, ob ich Interesse hätte, die Software zu bewerben.


Ich war schon immer ein begeisterter Nutzer und wenn ich auf etwas stoße, das ich wirklich mag, sage ich den Leuten immer gerne, was sie ausprobieren sollten. Genau so habe ich mich bei dem Programm gefühlt und ich bleibe ein überzeugter Anhänger.


Ich mache weiterhin Werbeaktionen für CLIP STUDIO PAINT und benutze die Software, um den größten Teil meiner Arbeit zu erledigen, sei es in Schwarzweiß oder in Farbe. Es hat eine wunderbare Toolkollektion und ist sehr stabil, also benutze ich es oft.

Kreativer Prozess für ein Titelbild


Was sind Ihre Lieblingsfunktionen in CLIP STUDIO PAINT?

Zu allererst, ich liebe die Tools! Ich mag es, wie genau sie Werkzeuge der realen Welt imitieren. Meine Toolbox ist so eingerichtet, dass sie wie ein digitales Ebenbild von genau den Tools ist, die ich in der traditionellen Welt des Zeichnens benutzte. Es ist sagenhaft, wie schnell die Bleistifte, Stifte und Pinsel reagieren.


Auch das Perspektivlineal ist sehr praktisch. Meine Art des Zeichnens beruht auf einer Menge traditioneller Zweipunktperspektiven oder Frosch- und Vogelperspektiven. Obwohl ich dazu in der Lage bin, es per Hand zu zeichnen, ist es sehr zeitaufwändig und kann den Arbeitsprozess verlangsamen. In CLIP STUDIO PAINT ist das mit der Perspektive sehr einfach: Sie legen Ihre Fluchtpunkte fest und die Linien werden dann am Gitternetz ausgerichtet. Außerdem können Sie 3D-Modelle importieren, die dann in dem 3D-Raum angepasst werden. Dies spart wunderbar Zeit beim Zeichnen von Hintergründen oder mechanischen Objekten.


Das Dritte, was mir sehr gut gefällt, ist die Art und Weise der Koloration die in CLIP STUDIO PAINT möglich ist, da ich meine Linienzeichnung als Referenzebene benutzen kann. Das bedeutet, dass man auf einer Ebene unterhalb der Linienzeichnung malen kann, so dass beim Drucken keine weißen Flächen entstehen. Die gesamte Seite ist voller Farbe und die schwarzen Linien werden immer oben drauf gedruckt. Das heißt, dass das Werk gleichmäßig aussieht, was eine enorme Zeitersparnis im Vergleich zur Verwendung der Photoshop-Auswahlwerkzeuge, Fülleimer oder Ähnlichem darstellt.


Das sind meine drei Lieblingsfunktionen.


Welche CLIP STUDIO PAINT-Funktionen machen Ihre Werke so einzigartig?

Ich mag den Gedanken, dass man nicht wirklich sagen kann, was ich traditionell und was ich digital gezeichnet habe. Das hilft mir, meinen Stil konsistent zu halten und ihn klar als meinen Stil erkennbar und unterscheidbar zu machen.

Bild: Titelbild von „Dan Dare“


Arbeiten Sie heute effizienter als mit den Materialien, die Sie für das traditionelle Comiczeichnen benutzt haben?

Ja, das tue ich. Wie gesagt, Dinge wie das Perspektivlineal sparen eine Menge Zeit, wenn man Zeichnungen mit Gebäuden und mechanische Hintergründe erstellt. Beim Kolorieren beschleunigt die Referenzebene diesen Vorgang erheblich. Auch die Tatsache, dass Sie keine Daten einscannen müssen — Sie machen alles vollständig am Computer — spart enorm viel Zeit. Und die Fähigkeit, komplett druckreife Arbeiten zu erstellen, ist das A und O. Ich bin heutzutage definitiv effizienter.


Dies könnte möglicherweise mit meinen Lieblingsfeatures zusammenhängen: Mir gefällt die Art und Weise, wie man Referenzen mithilfe der „Unteransicht“ Palette importieren kann. Ich kann dort alle meine fotografischen Referenzen sammeln. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, alle Referenzbilder mit der Zeichnung, die Sie von ihnen machen möchten, auf den Bildschirm zu bringen. Sie können zwischen ihnen wechseln und sie vergrößern oder verkleinern. Und wenn Sie wollen, können Sie daraus Farben wählen, was nützlich ist.

Zeichenprozess einer Seite aus „Dr. Who“


Könnten Sie mit anderen Programmen die gleichen Ergebnisse erzielen?

Ich nehme an, das ist möglich. Ich habe viel mit Photoshop gearbeitet, aber ich mag an CLIP STUDIO PAINT, dass es maßgeschneiderte Funktionen für Comic- oder Manga-Zeichner anbietet. Man könnte wahrscheinlich die gleichen Ergebnisse erzielen. Aber warum den Bus nehmen, wenn Sie einen Ferrari haben?


Was denken Sie über CLIP STUDIO PAINT?

Ich denke, CLIP STUDIO PAINT ist eine sich ständig weiterentwickelnde Software, die speziell auf die Bedürfnisse von Comic- und Manga-Zeichnern zugeschnitten ist. Mir fällt eigentlich nur sehr wenig ein, was ich ändern würde.


Es ist sehr stabil. Ich konnte CLIP STUDIO PAINT nur sehr selten zum Absturz bringen. Es macht auch automatisch Sicherungskopien, was sehr nützlich ist.


Ich denke, es ist ein sehr zuverlässiger, sehr notwendiger Teil meiner Comiczeichnungen. Tatsächlich kann ich mir nicht vorstellen, dass ich immer noch gerne Comics zeichnen würde, wenn ich CLIP STUDIO PAINT nicht verwenden könnte.


Verwenden Sie für das Design auch andere Tools wie Photoshop? Welche Synergieeffekte haben Sie dadurch, dass Sie CLIP STUDIO PAINT zusammen mit anderen Tools in Ihren Arbeitsprozess integrieren?

Manchmal drucke ich Sachen aus und beende sie manuell. Sehr selten verwende ich Photoshop, wenn ich eine Farbanpassung benötige. Ich benutze Illustrator gelegentlich für die Beschriftung, da ich immer noch gewohnt bin, das in Illustrator zu tun. Beim Erstellen von Logos und ähnlichem fällt es mir manchmal leichter, bei der Software zu bleiben, als zu lernen, wie man das in CLIP STUDIO PAINT macht.


Ich benutze gelegentlich auch Poser, was nützlich sein kann, um Figuren und Objekte zu beleuchten. SketchUp ist eine sehr nützliche und einfache 3D-Software, in der mechanische Objekte vereinfacht erstellt werden können. Ich importiere gelegentlich Dateien daraus nach CLIP STUDIO PAINT, bearbeite sie und verwende sie als Grundlage für eine Zeichnung. Ich habe mit Zbrush experimentiert. Damit bin ich jedoch nicht sehr vertraut.


Der Funktionsumfang anderer Software macht nur etwa 10 Prozent meines Arbeitsprozesses aus. Ich benutze hauptsächlich CLIP STUDIO PAINT für alles, was ich brauche. Es ist wirklich ein wesentliche Teil.


Würden Sie anderen Künstlern in dieser Branche CLIP STUDIO PAINT empfehlen?

Ja, das würde ich unbedingt. Das mache ich immer, wenn ich mit anderen Künstlern spreche oder wenn ich die Gelegenheit bekomme, CLIP STUDIO PAINT auf Social Media zu erwähnen. Es ist großartig wie viele Menschen heutzutage CLIP STUDIO PAINT verwenden. Ich habe nur sehr wenige Beschwerden gehört. Daher empfehle ich es sehr gerne weiter! Ich habe immer das Gefühl, dass ich Künstlern damit einen Gefallen tue, anstatt etwas zu empfehlen, das ihnen Probleme bereitet.


Haben Sie inspirierende Worte, die Sie gerne mit neuen Comic-Künstlern teilen möchten?

Oh man! Inspiration... hm...

Sie müssen definitiv zeichnen lernen. Ob Sie es traditionell oder digital tun, spielt dabei aber keine Rolle. Machen Sie sich keine falschen Hoffnungen, dass Software – selbst eine so umfangreiche wie CLIP STUDIO – jemals die Arbeit für Sie erledigen wird. Sie müssen immer noch zeichnen, Sie müssen immer noch verstehen, wie Sie die Welt um sich herum sehen und auf dramatische Weise bildlich darstellen können.


Ich möchte die Leute ermutigen, realistische Zeichnungen zu machen, da dies eine gute Möglichkeit ist, ihren visuellen Bildkatalog und ihr Verständnis für die Welt um sie herum zu bereichern.


Ich hanhabe es ähnlich wie beim Zen: Arbeiten Sie immer vom Allgemeinen zum Besonderen. Achten Sie immer zuerst auf das Design der Seite bevor Sie sich auf das Design der Bilder in der Seite konzentrieren. Achten Sie immer zuerst auf das Design des individuellen Bildes, bevor Sie sich auf das Zeichnen der Einzelheiten im Bild konzentrieren. Zeichnen Sie zuerst die wichtigsten Elemente, die großen Gesten und die groben Formen, und arbeiten Sie sich nach und nach zu den Details vor. Wenn Sie das so machen, wird alles an der richtigen Stelle in der Hierarchie des Bildes platziert. Es bedeutet auch, dass Sie, wenn Sie etwas falsch machen, es frühzeitig korrigieren können, anstatt eine riesige Detailzeichnung anzufertigen, die Sie dann wegschmeißen müssen.


Ich denke, das wäre mein allgemeiner Rat.

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